Viele Fotografen kennen das: jahrelang fotografieren sie für die heimische Festplatte, laden hier und da Bilder ins Netz, studieren Fachbücher, abonnieren Magazine, kaufen vom sauer Ersparten die neueste Technik, probieren aus, werden besser. Plötzlich können sich die semiprofessionellen Bilder sehen lassen. Irgendwann ist dann vielleicht der Moment gekommen: jemand wird aufmerksam und ist an einem oder mehreren Bildern kommerziell interessiert. Eins für die Website hier, eins für eine Fotostrecke dort. Die meisten Hobbyfotografen fühlen sich gebauchpinselt und überlassen freudig dem Profi ihr Werk. Kostenlos, versteht sich, schließlich könnte das der lang ersehnte Durchbruch sein.
Könnte. Theoretisch. Aber seien wir mal ehrlich. Niemand wird berühmt, weil sein Bild plötzlich als eines von unzähligen im MAX-Magazin für lau verwurstet wird oder die Website der Weinhandlung mit dem im Toskanaurlaub abgelichteten Rebstock den teuren Chianti verkauft. Hier geht es um billigsten, weil kostenlosen Content. Du knipst – ich verdiene. So wird der Schuh passend. Kommerziell orientierten Anfragen darf daher freundlich aber bestimmt geantwortet werden: »keine kostenlosen Fotos«. Auch nicht von Hobbyfotografen. Und sei es am Ende nur, um den professionellen Kollegen nicht das Wasser abzugraben.
Was kann ich aber für die Nutung meines Bildes in einem Webshop verlangen? Was für den Abdruck in der Lokalzeitung? Welche Rolle spielt dabei die zugedachte Abbildungsgröße? Der wichtigste Anhaltspunkt zur Preisgestaltung ist hierzulande die Broschüre »Bildhonorare – Übersicht der marktüblichen Vergütungen für Bildnutzungsrechte« der Mittelstandsgemeinschaft Foto-Marketing. Im Zweifel ist auch das der Katalog, der – sollte gar einmal die Anfrage ausbleiben – vor Gericht herangezogen wird, wenn auch meist nur als Diskussionsgrundlage. Die Broschüre kostet zwar mittlerweile auch seine 33 Euro [inklusive dem BVPA-Handbuch »Der Bildermarkt« und dem Versand], aber wer bisher dachte, sein Bild umsonst hergeben zu müssen oder vielleicht 20 Euro nicht überschreiten zu dürfen, wird hier eines besseren belehrt und sollte daher das Geld unbedingt investieren. Nirgendwo sind Honorar- und Konditionsstrukturen so detailliert dargestellt, nirgendwo wird der Markt so transparent beleuchtet wie hier.
Also trauen Sie sich, bei der nächsten dreisten Anfrage auf die Tabellen der MFM zu verweisen. Ihre Bilder sind es doch schließlich wert, oder?



Es ist nie schön, wenn jemand anders die Arbeit, die man selbst professionell (und mit viel Sachverstand und Erfahrung) anbietet, umsonst macht.
Andererseits ist es schon etwas seltsam, daß (zur Sicherung der eigenen Pfründe) der Profi hier dem Amateur sagt: “Kauf eine Broschüre, in der wir unsere Profipreise auflisten, damit Du mir nicht mehr das Wasser abgräbst.” – Platz genug für eine Orientierung, eine Faustregel hätte dieser Blogbeitrag doch sicher geboten.
Eine Faustregel gibt es eben leider nicht, dazu sind die Modelle einfach zu unterschiedlich. Schließlich fallen Faktoren wie die Bildqualität, Property/Model Release, Exklusivität, Verbreitung der Publikation, Lizenzdauer usw. mit herein. Wenn es einfacher wäre, bräuchte die MFM eben nicht diese Broschüre zu produzieren [ich finde die Broschüre leider auch etwas zu teuer, aber es geht eben nicht einfacher].
Als grobe – aber wirklich nur ganz grobe – Orientierung können evtl. die Preise der lizenzfreien Bilder dienen. Dort sind Property/Model Release abgeklärt, die Lizenz ist nicht exklusiv aber unbefristet und kann in sämtlichen Medien benutzt werden. Selbst da differieren die Preise teils erheblich, aber als [ich betone noch einmal: ganz grober] Anhaltspunkt kann man z.B. mal auf die Headerbilder hier oben klicken.
Kurz, knapp und wertvoll! Die Honorartabelle der MFM ist tatsächlich die Standard-Kalkulationsgrundlage in Fotoagenturen.
Danke für den Link auf meinen MAX Artikel. Ich muss/werde mal in den nächsten Tagen einen Link auf diesen Artikel dort nachtragen.
[...] das man für 33,- Euro (inklusive Versand und MwSt) hier bestellen kann. (vielen Dank an ivo von zoomfeed für die Erinnerung: denke aber, der Preis geht echt in Ordnung) Außerdem mit im Paket ist das [...]
Markus Kämmerer hat, wie ich soeben entdeckt habe, doch mal ein kleines Rechenbeispiel aus dem Katalog niedergeschrieben: blog.happyarts.de
Nun, wer es denn wirklich wissen will, die 2007er Liste gibt es auch online:
MFM-Liste