
So kann ein Lensbabyfoto aussehen. Foto: »4PIZON«
Lensbaby. Ein Begriff, der in Foren und Fachzeitschriften regelmäßig fällt. Viele wissen jedoch wenig bis gar nichts mit diesem Ausdruck anzufangen. Was soll das sein, so ein Lensbaby? Der fotografierende Jurist Jens-Christof Niemeyer sagt:
Lensbabies sind Spezialobjektive und extrem scharfe Teile,
»scharf« – fotografisch betrachtet – allerdings nicht im Wortsinn,
sondern im Sinn von »geil«.
Es scheint also technisch irgendetwas Besonderes zu sein, was sich der US-Fotograf Craig Strong da ausgedacht hat.
Ein Lensbaby ist zunächst einmal ein Objektiv für Spiegelreflexkameras. Außergewöhnlich ist, dass es aus einem Gummiteil und nur einer Linse besteht. Das Objektiv mit 50mm- [Nikon- und Canon-EOS-Anschluss] bzw. 65mm-Brennweite [Minolta, Sigma, Pentax, Olympus, Leica R, Contax, Canon FD, M42] ist durch eine Feder in Längsrichtung flexibel und kann gedehnt, gestaucht und gebogen werden. Es bildet einen Bereich des Fotos [verhältnismäßig] scharf ab, die Umgebung dieses sogenannten »Sweetspots« dagegen abgestuft unscharf. Die Schärfezone kann in jedem Bereich des Motivs liegen, je nachdem wie der flexible Tubus ausgerichtet wird. Ein Einlinser mit Schwenkbalgen also.
Bestimmt wird die Blende von vier Plastikringen, die an der Vorderseite der Linse sitzen und mit Hilfe eines Ringes festgehalten werden. Je nach Größe der Ringe ergeben sich insgesamt vier verschiedene Werte zwischen ƒ2,8 und ƒ8. Lensbabies und Vorsatzobjektive werden in drei Versionen angeboten: das Original mit einer unvergüteten einzelnen Linse, das lichtstärkere und schärfere Modell 2.0 mit vergüteter zweilinsiger Optik sowie das Modell 3G. Das entspricht dem Zweier, kann aber zusätzlich fixiert und fein eingestellt werden.
Soweit also zum technischen Teil. Was aber ist aus fotografischer Sicht das Besondere? Ganz einfach. Es ist die Abkehr von der zunehmenden Präzision der heutigen Fotografie, die dank digitaler Entwicklungen und softwaregestützter Nachbearbeitung zur Perfektion gelangt sind. Vignettierung, Unschärfe und ein eigenwilliger Fokus sind nicht gerade die Merkmale moderner Digitalfotografie. Wo richtige Belichtung und Schärfe obligatorisch sind, wächst die Sehnsucht nach Imperfektion.
Die Lensbaby-Fotos erinnern ein wenig an Aufnahmen mit einer Camera obscura. Die Bilder haben etwas Eigenes, etwas Unbekanntes, etwas Neues. Selbst mit der Bildbearbeitung dürften diese Effekte nur schwer zu erzielen sein. Wer nach etwas Außergewöhnlichen im Bereich der Aufnahmemöglichkeiten sucht, wird hiermit sicher viel Spaß haben. Den Einsatzmöglichkeiten sind so schnell keine Grenzen gesetzt. Porträt-, Landschafts-, Eventfotografie – sie alle dürften prädestiniert sein für zumindest einen Feldversuch. Ein paar gute Eindrücke der Bildergebnisse kann man sich unter anderem hier oder hier ansehen, aber auch hier und hier.
Fazit: Das Lensbaby ist auf dem besten Wege, irgendwo zwischen Lomografie und der Holga seinen Platz im Kultschubfach zu finden und richtig eingesetzt sogar professionell verwertbare Ergebnisse zu erzielen. Ein wenig Übung und Kreativität allerdings vorausgesetzt.



oh (lens)-baby, make me hot :-)
Spätestens wenn das entsprechende Photoshop-Plugin angeboten wird, ist die Mode vorbei. Hoffentlich.