Letzte Woche war es mal wieder soweit. In meinem E-Mailpostfach landete eine Anfrage zur Nutzung eines meiner bei flickr gezeigten Fotos. Diesmal kam die Post aus der finanzkräftigen Schweiz:
[…] ich bin soeben auf Dein superschönes Bild der Skyline von Shanghai gestossen. Bravo, echt genial!
Ich arbeite in einer PR-Agentur in Zürich/Schweiz und wir machen für einen Kunden von uns ein vierjährlich erscheinendes Magazin aus dem Bereich Finanzen. Gerne wollte ich Dich anfragen, ob Du bereit wärst, uns ein Foto der Skyline Shanghai’s für das nächste Heft zum Thema der Emerging Markets (viel versprechende Finanzmärkte wie Indien, China, Russland oder Märkte in Lateinamerika) zur Verfügung zu stellen. Selbstverständlich würden wir auch Dich als Fotografen nennen und wenn Du dies wünscht, auf eine Website verweisen oder Deine Adresse angeben. Das Foto müsste bei einer Auflösung von 300dpi mindestens 22 cm x 22 cm gross sein, damit es druckfähig ist. […]
Nach kurzer Recherche im Netz, die nötig war, da die Mail von der Privatadresse der Kontaktperson und nicht über die Firmenmailadresse verschickt wurde, stieß ich auf die Agentur. Auch den Kunden bzw. seine Periodika konnte ich ausmachen. Sowohl Agentur als auch das Produkt wussten sich sehr selbstbewusst und professionell in Szene zu setzen. Es war definitiv kein Hinterhofbüro, das hier auf der Suche nach Bildmaterial war. Ich gebe zu, dass mir dennoch sofort klar war, hier gibt es keinen Blumentopf zu gewinnen. Schließlich kenne ich derlei Anfragen mittlerweile ganz gut und mein Vorurteil wurde diesbezüglich noch nie entkräftet. Meine Reaktion fiel entsprechend ehrlich aus:
[…] vielen Dank für die Anfrage.
Ich muss Dir mitteilen, dass ich leider nicht auf Eure Anfrage eingehen kann und will. Die obligatorische und gesetzlich vorgeschriebene Nennung des Namens reicht für ein Bild in dieser Auflösung bei weitem nicht aus, unabhängig davon, ob ich professionell oder als Hobby fotografiere. Ich denke, dass Du sicher auch die üblichen Preise für ein entsprechendes Foto kennst. Ich bitte daher unter den genannten Bedingungen ausdrücklich von einer Verwendung abzusehen. Das bedeutet nicht, dass ich generell einer Benutzung in einem solchen Rahmen entgegenstehe, um ein realistisches Angebot sollte es sich allerdings handeln. […]
Darauf bekam ich sogar – ausnahmsweise – eine Antwort:
Hallo Ivo
Danke für Deine Rückmeldung. Ich verstehe Deine Zurückhaltung. Leider haben wir nicht die Möglichkeit, Bilder für die Zeitschrift einzukaufen.Freundliche Grüsse
[…]
Ich frage mich an dieser Stelle immer wieder: wer hat denn noch die Möglichkeit, Bilder einzukaufen, wenn nicht der Finanzsektor oder ein Verlag oder die Werbeagentur? Wollen die nicht auch alle bezahlt werden? Sind nicht einmal mehr symbolische Gegenleistungen drin? Zudem ist der Markt an nicht kostendeckend angebotenen Dumping-Bildern riesig gewachsen [z.B. Mikrostock]. Ist nicht mindestens ein kleines Budget für solche zwar ungeliebten aber wenigstens nicht kostenlosen Fotos vorhanden? Sind wir tatsächlich schon beim Verschenken von Arbeits- und Kreativleistungen angelangt? Finden sich tatsächlich genug Fotografen, denen die gesetzlich vorgeschriebene Autorennennung als Gegenleistung genügt?
So sehr ich mich auch bemühe, ich verstehe es nicht. Schließlich handelt es sich bei diesem Beispiel um ein formatfüllendes und daher ein für das Produkt nicht unerhebliches Foto eines Motivs, das man eben nicht so im Vorübergehen macht. Allein die Flugkosten nach China befinden sich im vierstelligen Bereich.
Wie sehen eure Erfahrungen zu diesem Thema aus? Wie geht ihr mit solchen Anfragen um?



Es kommt immer drauf an wer anfragt. Bislang habe ich Bilder nur für lau raus gegeben, in allen Fällen Live-Fotos, zumeist für die Online-Verwendung der jeweiligen Band, mit ordentlicher Namensnennung und Verlinkung durchaus als Werbung für mich kleines Licht zu sehen. Eines ging an einen Veranstalter, hier war mir die öffentliche Präsenz auch wichtiger als die paar Kröten, die dabei hätten abspringen können. Auch ist die Dankbarkeit, die mir entgegen schwappte nicht ohne.
In einem solchen Fall wie von dir beschrieben würde ich auch die MfM-Liste zu Grunde legen. Nur bekomme solche Anfragen eigentlich nie, was daran liegen könnte, dass ich Angebote wie flickr meide, da diese doch zu oft die Assoziation eines Kostenlos-Kaufhauses erwecken.
Ach… permanent. Warum soll ich auch für ein Bild zahlen wo Motiv XY drauf ist…
Versteht kein Mensch.
Ich sehe es genau wie Stefan. Es kommt drauf an wer anfragt. Ich habe gerade einen ganz ähnlichen Fall. Ein Verein, der sich für die Erhaltung einer alten Ziegelei in München einsetzt möchte Bilder, die auf meiner Web-Seite sind nutzen. Da habe ich dann nichts dagegen.
“Geiz ist geil” fällt mir da leider nur zu ein. So nach dem Motto: “Man kann es ja mal versuchen”.
Immerhin war der Kollege in diesem Fall so freundlich und hat immerhin noch freundlich den Kauf des Bildes abgesagt. Ich könnte mir allerdings auch denken, dass die Firma sehr wohl Geld dafür übrig hätte. Aber wer weiss wie viele Fotografen noch so angeschrieben wurden.
Ich finde bewundernswert, wie freundlich Du geblieben bist. Ich glaube, ich hätte das bei dieser frechen Anfrage nicht geschafft.
Warum die das machen? Weil es leider viel zu oft Erfolg hat.
Ich verstehe es auch nicht. Glücklicherweise waren die Anfragen, die ich bekommen habe, immer direkt “bezahlte Angebote”. Aber ich denke, ich kommuniziere das auch relativ offen, dass meine Fotos verkauft werden.
Mir passiert es eher manchmal (aber auch selten), dass ich Fotos von mir sehe, die nicht gekauft wurden und ich dann zusammen mit der Bildagentur eine “Nachlizensierung” erwirke.
Nun bin ich auch mal gespannt, ich habe eine solche Anfrage mit Bezug auf die Wikipedia mal entsprechend beantwortet …
Sogar die Auftraggeber Deutschlands unbeliebtester Geldeintreiber spielen dieses Spiel:
Taxiblog: Anfrage vom RBB
Manueller Trackback:
http://studio-blog.de/blog/archive/2008/02/25/fotografen-beissen-die-hunde.html
Ich kenne auch solche Anfragen. Kann mich noch gut erinnern wie Sie meine La-Palma Bilder wollten. Ich war damals noch so dämlich mich hinzusetzen und ihnen die Bilder aufzubereiten und zu zusenden. Waren bestimmt 5 Stunden die ich nochmal zusätzlich investiert habe. Das Beste die haben nichts mehr von sich hören lassen. Nicht mal ein Danke sehr, habe ihre schönen Bilder erhalten. Oh ich darf gar nicht darüber nach denken. Jetzt gibt es nur noch Fotos, gegen ein kleines Honorar.
[...] Broschüre nur KOSTENLOSE Bilder zu verwenden. Ein Fotograf, den er daraufhin anspricht, ist Ivo Gabrowitsch. Dieser lehnt zwar ab, aber ich bin mir sicher, der Mensch von der Werbeagentur hat einen [...]
[...] ganze Aktion ist für mich vor allem ein großes Experiment, mit dem Vorteil, dass Anfragen der finanziell klammen Art in Zukunft ausbleiben dürften, denn die Nutzungsbedingungen sind nun deutlich geregelt. Reich [...]