Dies ist der Start der Rubrik Gutes Cover – Schlechtes Cover. In unregelmäßigen Abständen – also nach Lust, Laune und Angebot – werde ich zwei aktuelle Titelseiten von Zeitschriften vorstellen, die mir besonders positiv oder negativ aufgefallen sind. Ich begründe unter fotografischen Gesichtspunkten, warum mich das eine Titelbild anspricht und das andere nicht. Wohlgemerkt liegt hierbei der Schwerpunkt auf dem Händchen des Bildredakteurs. Wenn man so will sind wir also guten Bildern auf der Spur und schlechten auf den Fersen.

Top: Dummy #17 »Liebe«
- Allein die Idee, das Thema »Liebe« nicht als glückseliges Etwas darzustellen verdient bereits besondere Anerkennung. So wird Aufmerksamkeit geweckt, da Liebe zunächst positiv assoziiert wird. Jeder kennt jedoch auch Momente des Liebeskummers wie ihn offensichtlich die Frau erlebt. Schon hat man die magische Ein-Sekunden-Aufmerksamkeitsgrenze des potenziellen Käufers überschritten.
- Das Cover lässt ganz und gar das Foto sprechen und verzichtet auf viel Text. Leider [obgleich ich als Freund der Schrift bekannt bin] heute selten geworden.
- Gutes fotografisches Handwerk: perfekter Auslösemoment, durchdachte Belichtung.
Flop: Gitarre & Bass 1/2008
- Das Bild ist einerseits sehr flau durch einen schwachbrüstigen Druck, andererseits durch die erzwungen wirkende monotone Verwendung von Farben [Blau und dunkelgrau/schwarz]. Die Dummy geht auch sparsam mit der Farbigkeit um, dort wirkt es jedoch natürlicher als hier.
- Das Motiv ist mindestens so langweilig, wie Kameras auf Fotozeitschriften oder ein Fußball auf einem Sportmagazin. Warum nicht Instrumente in Aktion?
- Viel zu viel viel zu kleiner Text. Die wichtigsten Themen aufs Cover, alles weitere ins Inhaltsverzeichnis. Bei so kleiner Schrift muss ich das Heft eh in die Hand nehmen, um das noch lesen zu können.



Wie kommst du auf die aktuelle Titel-Thematik? Per Zufall im Internet?
Recherche vor Ort in einem der größten Presseläden der Stadt. Hat eine ganze Weile gebraucht, bis ich mich für die zwei Cover entschieden hab. Außerdem brauchte es zwei Anläufe, da mein eigentlicher Favorit nicht im Netz auffindbar war [Vogue Italia 688].
Also da muss ich dir als Gitarre&Bass Leser wiedersprechen.
- Das mit den Farben ist einfach so, das jedes heft mit zwei drei verschiedenen Farben gestaltet wird, die im Foto vorkommen. Finde diese Einfachkeit eigentlich sehr gut, da es dadurch nicht so überladen wirkt.
- Wegen dem Foto, hmm, naja es geht ja um das Produkt das getestet wird. Warum sollte dann irgendein Musiker drauf sein, über den am Ende im Heft gar nix steht?
- Das mit der kleinen Schrift. Also kenne keinen potenziellen G&B Käufer, der sich das Heft aus 2 Meter Entfernung anschaut, und dann entscheidet es zu kaufen, weil dick und groß draufsteht “VOX AC30 im Test…bla bla”
Find es viel besser so, so sieht man schnell was alles im Heft steht.
Mit den Farben sieht es vor allem irgendwie klasse aus, wenn man mehrer Heft auf einmal anschaut.
Die DUMMY ist gestalterisch und vor allem fotografisch große Klasse!
Alle 3 Monate ein komplett anderes Layout – das ist schon was tolles!
Wenn es das Ziel der Gitarre-&-Bass-Covergestaltung ist, die bestehende Leserbasis zu bestätigen aber keine neuen Leser zu gewinnen … dann scheint das Konzept gelungen. Meine Erfahrung als Ex-Chefredakteur einer Fachzeitschrift geht eher in die Richtung: Man kann nie genug Leser haben. Für die Akquise neuer Kunden eines Kiosk-Magazins eignet sich das Cover vorzüglich … es ist gleichzeitig Visitenkarte und die teuerste Werbefläche des eigenen Magazins.
Es könnte natürlich sein, dass man bei diesem Thema überhaupt nicht an »Gitarre & Bass« vorbeikommt. Dann kann sich das Magazin ja auch fotografisch und gestalterisch zurückhalten [muss aber nicht]. Ob das so ist, weiß ich nicht. Dafür kenn ich mich überhaupt nicht mit den Instrumenten und der Szene aus. Darum geht es aber auch gar nicht. Dass hierfür irgendwo Begründen parat liegen ist mir schon klar. Die hat aber der potenzielle Käufer im Zweifel im Laden nicht parat.
Ansonsten ist das hier wohl die bisher subjektivste Rubrik des Zoomfeeds und als solche hier und zukünftig bestens zum Diskutieren und von mir aus auch Streiten geeignet. Ich möchte aber noch einmal betonen, dass es primär um die bildlich-kreativen und die fotografischen Aspekte der Titelseiten geht.
Also vom Fachlichen kann ich Ivo natürlich voll zustimmen, der Bildaufbau ist nicht ansprechend, allerdings ist gerade die Wahl von G&B natürlich etwas unglücklich, da meiner Meinung gerade dieses Heft durch den Freund, den Lehrer, … empfohlen wird und nicht durch sein Cover. Es geht allerdings auch anders, so hat (oder hatte zumindest einige male) die “guitar” durchaus ein Cover, welches auch am Kiosk überzeugen konnte.