Kategorie »Unifeed«


Das 76°-Magazin der Kunst-Uni Linz

Ein schillerndes Multi-Mirror-Cover, unten rechts eine abgeschnittene Ecke, darunter der Titel »Das Magazin mit Blickwinkel auf Grafikdesign und Fotografie« – so landete 76° am Freitag auf meinem Schreibtisch und beeindruckte mich. Sein Motto: »Unser Blick geht um die Ecke und untersucht jene Bereiche, die man nicht immer vor Augen hat.«

Alle Texte, Fotos, Illustrationen und die Gestaltung wurden von Studierenden des 3. Jahrganges des Bachelorstudiums der Studienrichtung Grafik-Design & Fotografie an der Kunstuniversität Linz unter der Leitung von Prof. Tina Frank erarbeitet. Die Studierenden wählten die Inhalte frei jeglicher Vorgabe und  entwickelten dafür eine grafische Umsetzung.

Themen des aktuellen 76° (60 Seiten, Deutsch, Englisch, ISBN: 978-3-901112-48-5):
• Ein Interview mit Gestaltern, die sich mit Found Footage – dem Recycling von  Alltagsgegenständen – auseinandersetzen
• ein Blick von außen auf den Stil des österreichischen Grafikdesigns (Autorin: Anita Kern)
• Wie aus zweidimensionalem Papier dreidimensionale Objekte entstehen
• der Abdruck der Stadt Linz u. v. m.

Weiter Infos zum Magazin, sowie Abbildungen aus dem Inhalt auf einer Uni-Linz-Seite …

Die richtige Foto-Location finden

Stefan Füsers, Student der Druck- und Medientechnik an der TFH Berlin, baut im Rahmen seiner Diplomarbeit derzeit ein Webportal über Foto-Locations auf. Das Besondere daran: die zukünftigen Benutzer werden schon während der Entstehungsphase in das Projekt eingebunden. Durch ständig wechselnde Umfragen und kommentierbare News kann bereits auf fotolocations.de Einfluss genommen werden. So soll am Ende ein weltweiter Online-Katalog Nutzer-generierter Locations entstehen, der auch aktuelle Informationen zu fotografischen Themen nicht vermissen lässt. Geplant sind momentan vielfältige Community-Funktionen, zusätzliche Features und exklusive Informationen für registrierte Benutzer. Ein Besuch sollte die Projektseite daher allemal wert sein. Wir sind gespannt und drücken dem Diplomanden die Daumen.

7 Sekunden: Liebe auf den ersten Blick?

»Ruhelos« von William Boyd, entworfen von Natalie Eiswert »Ruhelos« von William Boyd, entworfen von Sebastian Steinhoff »Ruhelos« von William Boyd, entworfen von Carsten Prenger No Logo von Naomi Klein, entworfen von Cristina Lohr An long way down von Nick Hornby, entworfen von Desiree Schütze

Die fotografische Gestaltung von Buchcovern lässt uns nicht los. Ich sprach bereits über die aus meiner Sicht unbefriedigende Qualität von Buchtiteln beim deutschsprachigen Verlagswesen. Anlass genug, einmal beim Nachwuchs zu schauen, ob Licht am Ende des grafischen Tunnels zu sehen ist. Hierfür kommt mir das Semesterprojekt »7 Sekunden – Liebe auf den ersten Blick?« des Fachbereichs Design der Hochschule Niederrhein unter der Leitung der Typografie- und Editorial-Design-Professorin Nora Gummert-Hauser gerade recht:

7 Sekunden … Liebe auf den ersten Blick?

Der Schutzumschlag ist das Marketingtool Nummer 1 auf dem heiß umkämpften Buchmarkt. Fast 90% aller Kaufentscheidungen fallen erst in der Buchhandlung. Damit wird klar, welche Kräfte hier oft gegeneinander ausgespielt werden. Gute Covergestaltung versus anscheinend besser verkäuflichem Mainstream. Bei diesem Thema wollen noch mehr Menschen mitreden, fühlen sich noch mehr kompetent und der Putzfrauentest findet noch häufiger Anwendung. Schlechte Vorzeichen für kluges Design – auch deshalb, da Ihnen durchschnittlich nur 7 Sekunden Zeit bleiben um einen potentiellen Käufer zu erreichen.

Die Ergebnisse des SemesterprojektsDas Projekt verlangte den Studierenden einiges ab. Sie mussten über das Semester hinweg Buchcoverentwürfe im Wochentakt abliefern. So entstanden über 400 Kreationen zu 21 verschiedenen Büchern, deren Titel nach Genre sortiert jeweils vorgegeben war. Die besondere Schwierigkeit daran: Das Genre sollte erkennbar sein. Sofort hat man also die klischeehaften Bilder und Farbkompositionen im Kopf. Sich davon zu lösen und eine eigene Bildsprache zu entwickeln war für den Designnachwuchs eine große Herausforderung.

Die Ergebnisse des SemesterprojektsAm Ende gelang dies einigen Studierenden gut, manchen weniger gut und nur ein kleiner Teil erfand wirklich etwas herausragend Neues und Verblüffendes. Die hier dargestellten und als besonders gut bewerteten Entwürfe von Sebastian Steinhoff, Natalie Eiswert, Cristina Lohr, Carsten Prenger und Desiree Schütze zeigen beispielhaft die Genre Spannung [Ruhelos von William Boyd], Kultur/Soziologie [No Logo von Naomi Klein] und Moderne Klassiker [A long way down von Nick Hornby].

Es bleibt also weiterhin die Hoffnung auf bessere Buchcover. An den Designern kann es nicht allein liegen. Offenbar fehlt es vor allem am Mut bei den Verlagen.

Erste Etage

Erste Etage

© Anja Itter

Anja Itter, Studentin an der Hochschule Niederrhein, hockte sich für ein Fotoprojekt sieben Stunden vor den Paternoster in der ersten Etage des Duisburger Rathauses und fotografierte die völlig überraschten »Fahrgäste«:

Wie schauen sie? Woran denken sie? Was tun sie in unbeobachteten Momenten? Menschen zu beobachten und sich eine eigene Geschichte zu ihnen auszudenken macht mir Spaß und ich schätze authentische Bilder. Um für mein Fotoprojekt ungezwungene Momente einzufangen platzierte ich mich mit meiner Kamera im Duisburger Rathaus und lauerte auf jeden Paternoster-Fahrgast der vom Erdgeschoss nach oben gefahren kam.

Hoywoy

Hoywoy von Isabel WinarschIch mag die Serie »Hoywoy« von Isabel Winarsch wohl gerade deshalb, weil es auch meine ostdeutsche Heimatstadt sein könnte, die die Studentin der Fachhochschule Hannover in ihrer Diplomarbeit porträtierte. Sie zeigt die Menschen der vor 50 Jahren errichteten Neustadt von Hoyerswerda im Kontext zur Physiognomie ihrer Stadt und ihres sozialen Umfeldes. Wie sie sich arrangieren, sich untereinander Halt geben und, obwohl um sie herum der Abriss wütet, sich ein Stückchen heile Welt erhalten wollen. Ein etwas düsteres Bild ähnlichen Kontextes zeigt ihr Kommilitone Lars Bober in seiner Diplomarbeit »Verödete Landschaften«. Überhaupt scheint die FH Hannover keinen Mangel an talentierten Fotografennachwuchs zu haben. Hochspannende Projekt- und Abschlussarbeiten sind auf der Hochschulwebsite fotostudenten.de aufgelistet. Man sollte sich schon einige Minuten Zeit nehmen, um diese zu durchforsten.