
Mein im Kühlschrank gelagerter analoger Filmvorrat – fotografiert mit einer Digitalen.
Inzwischen gibt es bereits eine umfassende Generation von Fotografen, die niemals mit analogem Filmmaterial in Berührung gekommen ist. Fotografen, die mit der digitalen Technologie aus Altersgründen aufgewachsen oder durch digitale Vorzüge gar erst zu diesem Hobby gekommen sind. In letzter Zeit habe ich allerdings in persönlichen Gesprächen und Berichten im Netz den Eindruck gewonnen, dass viele Digitalos mittlerweile das Alte, das Unbekannte ausprobieren und Körnung statt Rauschen erfahren wollen. Für alte Hasen eine fast surreale Vorstellung: Analogfotografie als Experiment.
Es gibt natürlich eine riesige Zahl jener analogen Langohren, die längst dem Trend und der Entwicklung gefolgt sind und ausschließlich auf Pixel statt chemischer Entwicklung vertrauen. Die fortschreitenden Verlockungen sind groß, gewisse Vorteile nicht zu leugnen. Aber auch bei denen, so scheint es, ist zumindest teilweise eine Art Rückbesinnung erkennbar. So zum Beispiel vor Jahresfrist beim Autor dieser Zeilen. Viele greifen dann zu ihren alten Lieblingen. Warum aber? Weil eine Sehnsucht sie treibt? Weil sie etwas vermissen? Weil sie enttäuscht von der angeblich überlegenen Technik sind? Weil sie nicht hinterherkommen? Viele nachvollziehbare, aber auch romantisierende Gründe werden für diese Rückbesinnung herangezogen. Streiten lässt sich darüber fast gar nicht, weil die Sachlichkeit in der Regel bereits die erste Diskussionsminute nicht überlebt.
Auch die Industrie hat ihre Pappenheimer [noch] nicht vergessen. Trotzdem die Verkaufszahlen neuer Filmkameras dramatisch in den Keller gehen, versprechen zahlreiche Filmhersteller eine Weiterentwicklung ihrer Produkte. Sogar einige interessante neue Analogkameras werden zuweilen gesichtet, oder wenigstens angekündigt.
Gibt es also tatsächlich ein analoges Comeback? Oder sind das schon Eindrücke eines »Schallplattenstatus«, den sich eine übersichtliche Gemeinde bewusster Liebhaber leistet? Oder ist die Zeit für ein solches Comeback noch nicht reif oder wird es gar niemals so weit kommen? Ist der analoge Drops gelutscht oder wird er weiterhin [für das entsprechende Kleingeld und komplizierte Vertriebswege] erhältlich sein? Ist eine friedliche Koexistenz der Systeme möglich und zu erwarten?



Einen Vorteil sehe ich definitiv an der analogen Fotografie: sie “kostet mehr”, insofern wird man mehr oder weniger automatisch gezwungen, vorsichtiger und überlegter zu fotografieren. Ich bin leider einer von denen, die die analoge Fotografie im großen Stil nicht mehr erlebt haben, aber wenn ich mir so die Flut an halb gelungenen Aufnahmen auf meinem Rechner anschaue, glaube ich, dass ein bisschen mehr bewusste Überlegung im Vorfeld der Aufnahme nicht schaden würde.
Ich packe in letzter Zeit häufiger mal wieder einen Film in meine alte Spiegelreflex (ohne Autofokus und solchen Schnickschnack, ein echtes Erbstück halt), denn mir gefallen die Farben besser und ich mag es, dass ich das Ergebnis nicht sofort sehen kann. Auch Cross-Entwicklung ist etwas schönes und am PC einfach nicht so genial und zufällig zu simulieren wie es mit echtem Filmmaterial geht.
Wenn ich auf Nummer sicher gehen will oder muss, benutze ich aber dann doch die digitale Technik, auch weil ich schneller vorzeigbare Ergebnisse hab und es einfach wie oben schon angeklungen billiger ist.
Es gibt sogar sowas wie wachsende Analog-Communities – http://www.lomography.com/ – auch auf flickr gibt’s viele groups, die sich mit analoger Photographie beschaeftigen. z. B: http://flickr.com/groups/ishootfilm/
Es gibt sicher viele Gründe mal wieder mit der analogen Technik zu spielen, aber in den allermeisten Fällen, denke ich, ist es sicher nicht mehr als ein nostalgisches Intermezzo. Das Gros der Berufsfotografen wird sicher aus Kosten- und Geschwindigkeitsgründen mittlerweile digital produzieren. Ich selbst habe bis vor drei Jahren noch analog gearbeitet, einfach weil mir die meisten Digitalen nicht gut genug oder einfach viel zu teuer waren. Inzwischen möchte ich die neue Technik nicht mehr missen. Trotzdem, oder vielleicht grad weil digitale Bilder mir oft zu glatt und geleckt daherkommen habe ich mir kürzlich ein Lensbaby gekauft. Einfach um auch mal bewusst nicht so technisch perfekte Bilder zu machen.
Genau so ein Foto wie über diesem Beitrag will ich auch schon seit langem als “Erinnerungsfoto” machen, weil im Butterfach seit 20 Jahren der Handvorrat an Filmen lagert — inzwischen aber seit Monaten nahezu unberührt…
Ich schätze an der digitalen Fotografie eigentlich besonders, daß ich mich der mißlungenen Fotos sofort (am Computer) entledigen kann. Bei den traditionellen Negativstreifen schleppt man Hunderte unbrauchbarer Fotos herum, die man aus technischen Gründen nicht einfach herausschneiden und wegwerfen kann.
Analog vermisse ich meine Canon EOS 5 mit Eyetracking und einem 19-mm-Objektiv, daß sich auch tatsächlich wie ein Weitwinkel verhält… Für eine Vollformat-dSLR reicht das Konto noch nicht (der Preis scheint mir auch nicht angemessen), Eyetracking scheint ausgestorben (obwohl ich es genial finde)…
Interessant wäre eine “Mechanische” mit digitaler Rückwand: manueller Fokus, handgemachte Belichtung, Drehregler statt Menü, aber (inkonsequent?) mit digitalem Output. — Es war — für mich — schon immer Krampf, parallel Colorprint, Schwarzweiß und Dia zu archivieren, da kann ich auf den Medienbruch analog/digital verzichten.
@ Ivo: Der Beitrag passt. Habe mir vor ein paar Tagen ne Canon AE-1 mit 3 Objektiven bei ebay geschossen. Unter 70 Euro. Denn „richtig“ fotografieren habe ich mit den Digitalkameras nicht gelernt. Ist ja fast alles automatisch. Und wenn was nicht geklappt hat, war Photoshop ja da. Aber vielleicht wirds irgendwann mal ein Magazin geben, das bewusst auf plattgebügelte Photoshopmodells verzichtet und zeigt wie sie wirklich aussehen. Ohne Manipulation. Das wäre eine Wohltat fürs Auge.
Ein kleiner Nachtrag ist dieser Artikel auf Photopreneur.com »Photographer Who Still Use Film«
Ein weiterer hochinteressanter Nachtrag zu diesem Thema ist ein Text des Fotografen Peter Oehlmann auf bildwerk3: Nicht alles tun was möglich ist – analog vs. digital Fotografie.
Habe vor kurzem versucht,mich mit der Nikon D40x anzufreunden und die Ergebnisse in Verbindung mit den hochwertigen AIS-Nikkoren waren echt klasse.Aber irgendwie fehlten mir danach die Dias in den Händen.Nun habe ich vor kurzem eine Mamiya RB günstig geschossen und die ersten Dia u. S/W-Filme belichtet.Nachdem die Filme entwickelt waren u. auf dem Leuchttisch lagen wusste ich-das isses-was für Farben und klasse Schärfe!!
Jetzt nur noch:schweres Berlebach-Uni Stativ mit Mamiya oder bei langen Brennweiten die F4 und danach bekomme ich mein Eigentum: mein Dia,von der Mamiya richtig fett, in meinen Händen.