Die fotografische Gestaltung von Buchcovern lässt uns nicht los. Ich sprach bereits über die aus meiner Sicht unbefriedigende Qualität von Buchtiteln beim deutschsprachigen Verlagswesen. Anlass genug, einmal beim Nachwuchs zu schauen, ob Licht am Ende des grafischen Tunnels zu sehen ist. Hierfür kommt mir das Semesterprojekt »7 Sekunden – Liebe auf den ersten Blick?« des Fachbereichs Design der Hochschule Niederrhein unter der Leitung der Typografie- und Editorial-Design-Professorin Nora Gummert-Hauser gerade recht:
7 Sekunden … Liebe auf den ersten Blick?
Der Schutzumschlag ist das Marketingtool Nummer 1 auf dem heiß umkämpften Buchmarkt. Fast 90% aller Kaufentscheidungen fallen erst in der Buchhandlung. Damit wird klar, welche Kräfte hier oft gegeneinander ausgespielt werden. Gute Covergestaltung versus anscheinend besser verkäuflichem Mainstream. Bei diesem Thema wollen noch mehr Menschen mitreden, fühlen sich noch mehr kompetent und der Putzfrauentest findet noch häufiger Anwendung. Schlechte Vorzeichen für kluges Design – auch deshalb, da Ihnen durchschnittlich nur 7 Sekunden Zeit bleiben um einen potentiellen Käufer zu erreichen.
Das Projekt verlangte den Studierenden einiges ab. Sie mussten über das Semester hinweg Buchcoverentwürfe im Wochentakt abliefern. So entstanden über 400 Kreationen zu 21 verschiedenen Büchern, deren Titel nach Genre sortiert jeweils vorgegeben war. Die besondere Schwierigkeit daran: Das Genre sollte erkennbar sein. Sofort hat man also die klischeehaften Bilder und Farbkompositionen im Kopf. Sich davon zu lösen und eine eigene Bildsprache zu entwickeln war für den Designnachwuchs eine große Herausforderung.
Am Ende gelang dies einigen Studierenden gut, manchen weniger gut und nur ein kleiner Teil erfand wirklich etwas herausragend Neues und Verblüffendes. Die hier dargestellten und als besonders gut bewerteten Entwürfe von Sebastian Steinhoff, Natalie Eiswert, Cristina Lohr, Carsten Prenger und Desiree Schütze zeigen beispielhaft die Genre Spannung [Ruhelos von William Boyd], Kultur/Soziologie [No Logo von Naomi Klein] und Moderne Klassiker [A long way down von Nick Hornby].
Es bleibt also weiterhin die Hoffnung auf bessere Buchcover. An den Designern kann es nicht allein liegen. Offenbar fehlt es vor allem am Mut bei den Verlagen.








Ich finde es echt schade, dass der Schutzumschlag inzwischen viel mehr Bedeutung gewonnen hat, als der »echte« Einband. Lackiert, geprägt, illustiert, stellenweise wunderschön gesetzt. Echt Hingucker.
Aber wie der Name schon sagt sollte das Ding eigentlich (irgendwann in grauer Vorzeit) dem Schutz dienen… liebend gern würde ich das lästige Ding möglichst schnell entfernen, wenn es anfängt einzureißen oder an den oberen bzw. unteren Kanten diese häßlichen Falten wirft. Schließlich hat es dann seinen Auftrag erfüllt und das Buch steht sicher im Bücherregal.
Allerdings sind die Einbände inzwischen so sch…licht, dass man sich zum einen ärgert, dass das Bücherregal total an Farbe verliert, und zum anderen fragt: »Welches Buch war das noch gleich?«
Vielleicht sollte ich einfach das »Schutz« einfach nicht mehr wörtlich nehmen und etwas pfleglicher mit den Dingern umgehen.
Grüße
pH-neutral
Da sprichst du ein Thema an, was mir ebenfalls gehörig missfällt. Als Liebhaber gebundener Ausgaben schaue ich mir tatsächlich immer den Einband an. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass so manches Buch sich damit meiner Kaufabsicht wieder entzogen hat.